Virtual-Reality-Aided Architectural Design – Versuch einer Annäherung

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Virtual-Reality-Aided Architectural Design (VRAAD) - eine Annäherung an natur- und kulturwissenschaftliche Parameter

Das von mir im Herbst 2014 begonnene Projekt befasst mit zwei Fragen. Erstens: Wie kann eine bessere Einbindung subjektiver, zeitlich-räumlicher Wahrnehmung im gegenwärtigen Entwurfs- und Planungsprozess von Architekten verwirklicht werden? Und zweitens: Wie kann die Technologie Virtual Reality (VR) dabei helfen?

Meiner Beobachtung nach wird sich in der Praxis zusehends auf effiziente computergestützte Verfahren der Abbildung von Architektur und der Arbeit an ihr verlassen. Meines Erachtens besteht dabei die Gefahr, dass ein tieferes Verständnis von Raum und seiner potenziellen Qualitäten vernachlässigt wird. Weil ich nicht glaube, dass sich dahingehend einmal veränderte Prozesse rückwirkend entschleunigen lassen, habe ich für eine Lösung des Problems den Blick auf die Anwendung der VR und ihre Integration in die Entwurfsarbeit gerichtet. Die Anfangshypothese war, dass sich mithilfe dieser Technologie Wahrnehmung besser in kreatives Denken und dadurch in konkrete Entwürfe umsetzen lässt.

Meine Diplomarbeit beschäftigt sich mit drei Themenbereichen: der Herausarbeitung konzeptioneller Unterschiede zwischen einerseits manuellen und computergestützten Methoden des Entwerfens und andererseits der Möglichkeit des immersiven Arbeitens in virtuellen Umgebungen; der Relevanz dieser Unterschiede für die Überprüfung und Vermittlung von Entwurfs- und Planungsprozessen; sowie den, sich aus den vorgenannten Punkten ergebenden, konkreten Vorschlägen und Anforderungen für zukünftige Anwendungen.

Beginnend mit der Betrachtung klassischer und computergestützter Entwurfsmethoden der Architektur und bestehender Anwendungen aus dem Bereich Virtual-Reality-Aided Design, sowie Interfaces kreativer Interaktion, will diese Arbeit geeignete Ansätze in einem theoretischen Teil herausstellen. Durch die VR werden eine Reihe von Wahrnehmungsprozessen auf eine neue Weise in Architekturentwurf und Architekturdarstellung integriert. Deswegen wird ein Überblick über Wahrnehmungsprozesse einbezogen. Im anschließenden empirischen Teil wurden anhand eines Experiments Teilaspekte der VR auf ihre Tauglichkeit hin untersucht. Die Frage nach der Validität einer virtuellen Repräsentation von Raum stand dabei im Vordergrund.

Für die Genese dieser Repräsentation eines Realraums und die Gegenüberstellung verschiedener Darstellungsmethoden wurden neue Wege effizienter technologischer Implementierungen untersucht und beschritten. Übergeordnetes Ziel war die Annäherung an eine hypothetische, ideale Anwendung. (Siehe auch: UdK Berlin – Immersive Virtual Environment)

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Experiment

In einem Experiment sollte die Wirkung und das Verständnis eines realen Raumes mit der Wirkung und dem Verständnis seiner virtuellen Repräsentation verglichen werden. Im ersten Teil des Experiments wurden Probanden, die entweder den realen oder den virtuellen Raum explorierten, mit der gleichen Aufgabe konfrontiert: Sie sollten zunächst fünf Standorte wählen und die damit verbundenen Perspektiven, die den Raum bestmöglich repräsentieren, fotografisch dokumentieren. Danach sollten sie aus vier Grundrissen den auswählen, der dem explorierten Raum entspricht. Die Aufgabenstellung »Fotografieren« wurde gewählt, um den Probanden im realen Raum zu ermöglichen, annähernd genau so ungezwungen zu explorieren, wie es von Probanden in der VR bekannt ist. Unter dem Schutz der Kamera ist es sozial akzeptabel, sonst als merkwürdig eingestuftes Verhalten zu zeigen. Die Exploration eines virtuellen hingegen ist automatisch privater.

Wenn die Vorhersage richtig ist, dass der virtuelle Raum den realen Raum architektonisch adäquat abbildet, erwartete ich, dass die Übereinstimmung der fotografischen Repräsentationen zwischen den Probandengruppen (virtuelle Exploratoren und reale Exploratoren) sich nicht stärker unterscheiden als innerhalb der Gruppen. Zusätzlich erwartete ich, dass in beiden Gruppen die Einschätzung, welcher Grundriss der richtige ist, ähnlich sind, also richtige und falsche Antworten in beiden Gruppen ebenso häufig sind. Zudem sollten womöglich Übereinstimmungen im Explorationsverhalten beobachtet werden können.

[Onlineausgabe]

Grundriss Haupthalle fehl
Grundrissvarianten

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Explorationsverhalten

Explorationsverhalten_zusammen
Fotopositionen

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Exemplarischer Fotovergleich


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Diplomarbeit an der Universität der Künste Berlin
vorgestellt am 15.04.2015

Betreut durch Prof. Dr. Christoph Gengnagel, Prof. Dr. Susanne Hauser, Prof. Dr. Norbert Palz (UdK Berlin), sowie Prof. Constance Scharff, PhD (FU Berlin). Mit freundlicher Unterstützung durch Jörg Brinkmann & Marcel Karnapke (virtigo Berlin), Paul Dahlke & Alexander Hey (Plan3D Berlin), Niklas Goldbach (freischaffender Künstler) und Alexander Kulik (Bauhaus-Universität Weimar).